Von:
Jann Schmidt

e-reformiert.de

Sie singen andere Lieder. Sie feiern anders Gottesdienst. In ihren Kirchen gibt es keine Bilder. Sie haben keinen Bischof.

Das sind die Reformierten. Sind sie das wirklich? Evangelisch ist doch evangelisch. Das ist auch so, aber es gibt unterschiedliche Reformationstraditionen und dazu gehören auch die Reformierten. Für mich, geboren in den 40er Jahren im ostfriesischen Weener, war es selbstverständlich reformiert zu sein. Damals wie heute ist das Rheiderland, so heißt der Landstrich westlich der Ems zwischen Leer und der niederländischen Grenze, reformiertes Kerngebiet. Über die Niederlande schwappte der reformierte Zweig der Reformation nach Deutschland. Ostfriesland und die Grafschaft Bentheim wurden so zu reformierten Kerngebieten.

Etwa zwei Millionen Reformierte gibt es in Deutschland, damit sind die Reformierten in Deutschland gegenüber zwanzig Millionen Lutheranern eine Minderheit, "nur" ein Farbtupfer im deutschen Protestantismus. Weltweit hingegen gibt es deutlich mehr Reformierte, etwa 105 Millionen gegenüber siebzig Millionen Lutheranern.

Ihren Ausgang nahm der reformierte Zweig der Reformation von der Schweiz aus und ist verbunden mit den Namen Huldrych Zwingli und Johannes Calvin. Besonders Calvin sorgte mit seinem Konzept von Kirche für eine Verbreitung der Reformation in ganz Europa und später dann weltweit. Für ihn war es wesentlich, dass nicht der Pastor das sagen hat. Prediger, Diakone, Lehrer und Älteste leiten eine Gemeinde. So ist die reformierte Kirche eine Gemeindekirche geblieben. In der haben auch heute alle Gemeinden das Privileg, ihren Pastor oder ihre Pastorin selber zu wählen.

Wir singen Psalmenlieder, 150 davon stehen vor den anderen Liedern im Gesangbuch. Die Predigt steht bei uns im Mittelpunkt des Gottesdienstes und es gibt keinen liturgischen Gesang. "Du sollt dir kein Bildnis machen" -- das gilt auch für die Kirchen -- und darum gibt es auch kein Kreuz. "Kein Gemeindeglied (darf) über ein anderes Vorrang oder Herrschaft beanspruchen. Alle Kirchenleitung erfolgt durch Presbyterien (Kirchenräte) und Synoden", heißt in der Kirchenverfassung und darum gibt es keinen Bischof.